1810 - 1831
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Aloys Michael Mayer wurde 1766 in Wien geboren. {i} Er war zunächst Prosektor unter Georg Prochaska und wurde, nachdem 1810 der Antrag der Studienhofkommission auf die Wiedereinführung der ordentlichen Professur für Anatomie von Kaiser Franz I./II. genehmigt wurde, zum ordentlichen Professor für Anatomie ernannt. In der dementsprechenden Konsistorialakte steht dazu folgendes:
„Seine kaiserl. konigl. Majestät haben […] die nachstehenden von Seiten der Studien Hofkomission allerhöchst der-halben unterthänigst vorgelegten Anträge zu genehmigen geruhet: Erstens. daß alle Professoren und Lehrer der Ana-tomie an den k. k. deutsch erbländischen Universitäten und Lyzeen wieder in den Rang der Professoren erhoben werde sollen. Zweytens. daß der Lehrkurs der Anatomie wie vormals auf zwey Semester ausgedehnt werde. Drittens. daß an den Universitäten in Wien und Prag den Professoren der Anatomie, Professoren wie ehemals mit einem Gehalt von jahrl. 300 fl. beygegeben werden, ganz nach den Bedingungen, nach welchen die Assistenten bey den Kliniken, und bei dem Lehramte der Chemie, und Botanik bestehen. Viertens. daß der Profeßor der Physiologie, und der höheren Anatomie an Universitäten wie bisher fortan zu be-stehen habe. Dieses wird zur Wissenschaft bekannt gemacht. Wien den 13. Februar 810 [sic!, meint 1810].“ {ii}
Erna Lesky begründete die erneute Einführung einer Professur dieses Faches wie folgt: „Die Einsicht in die Schäden der Josephinischen Reform [Anm.: Studienreform 1786] bewogen Stifft, im Jahre 1810 die anatomischen Lehrkanzeln als solche der niederen Anatomie wiederherzustellen.“ {iii} Lesky meint hiermit Andreas von Stifft, der ab 1798 wirklicher Leibarzt des Kaisers wurde und aufgrund seiner Bedeutung auch als „Kronprinz im protomedizinischen Reiche Österreich […]“ genannt wird. Seine Versuche zur Wiederherstellung des Status quo vor der Studienreform Josephs II. bezeichnet Lesky als Stifft´sches Restaurationsprogramm. {iv}
Die Professur für höhere Anatomie und Physiologie blieb trotz dieser „Restauration“ bestehen und Georg Prochaska somit Professor dieser Fächer. Jener behielt sich, was die anatomische Lehre betraf, allerdings, nachdem es wieder eine ordentliche Professur für Anatomie gab, die Kompetenz vor, die anatomischen Rigorosen abzunehmen. {v} Mayer blieb letztendlich bis zu seinem Tod 1831 in der Position des Professors für Anatomie. {vi}
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► {english version}
Aloys Michael Mayer was born in Vienna in 1766. {i} Initially, he served as a dissector under Georg Prochaska and, after the request of the Studienhofkommission for the reinstatement of the regular professorship for anatomy was approved by Emperor Franz I/II in 1810, he was appointed as the regular professor of anatomy. In the corresponding consistorial record, the following is stated:
„Seine kaiserl. konigl. Majestät haben […] die nachstehenden von Seiten der Studien Hofkomission allerhöchst der-halben unterthänigst vorgelegten Anträge zu genehmigen geruhet: Erstens. daß alle Professoren und Lehrer der Ana-tomie an den k. k. deutsch erbländischen Universitäten und Lyzeen wieder in den Rang der Professoren erhoben werde sollen. Zweytens. daß der Lehrkurs der Anatomie wie vormals auf zwey Semester ausgedehnt werde. Drittens. daß an den Universitäten in Wien und Prag den Professoren der Anatomie, Professoren wie ehemals mit einem Gehalt von jahrl. 300 fl. beygegeben werden, ganz nach den Bedingungen, nach welchen die Assistenten bey den Kliniken, und bei dem Lehramte der Chemie, und Botanik bestehen. Viertens. daß der Profeßor der Physiologie, und der höheren Anatomie an Universitäten wie bisher fortan zu be-stehen habe. Dieses wird zur Wissenschaft bekannt gemacht. Wien den 13. Februar 810 [sic!, meint 1810].“ {ii}
Erna Lesky justified the reintroduction of a professorship in this field as follows: "Insight into the damage caused by the Josephinian Reform [Note: Educational reform of 1786] prompted Stifft to restore the anatomical chairs as those of lower anatomy in the year 1810." {iii} By this, Lesky refers to Andreas von Stifft, who became the official court physician of the emperor in 1798 and is also referred to as the "Crown Prince in the proto-medical realm of Austria." Lesky describes his attempts to restore the status quo before Joseph II´s educational reform as Stifft´s Restoration Program. {iv}
Despite this "restoration," the professorship for higher anatomy and physiology continued to exist, and Georg Prochaska remained the professor of these subjects. However, concerning anatomical teaching, after the reinstatement of a regular professorship for anatomy, he retained the authority to conduct the anatomical examinations. {v} Mayer ultimately remained in the position of the professor of anatomy until his death in 1831. {vi}
{i} Vgl. Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien (Hg.), PHYSICUS. Biobibliografisches Portal der Vertreter und Vertreterinnen der Wiener Medizinischen Schule(n) (Wien 2011), online unter <https://physicus.meduniwien.ac.at/content/origaz.php?a_suche=true&liste=true&ID_seite=922&ID_ort=9a7a1a1&a_name=Michael+Mayer&a_gebd=&a_stbd=&a_record_limit=25 >; (29.06.2021).
{ii} CA 4. 0. 263, 1.
{iii} Lesky, Die Wiener medizinische Schule, 90. Anm.: Erna Leskys Werk muss historisch zusammen mit ihrer Mitgliedschaft bei der NSDAP betrachtet werden. Siehe dazu: Kurt Mühlberger, Erna Lesky, geb. Klingenstein, Univ.-Prof. Dr. In: Homepage zur Geschichte der Universität Wien, 11.11.2019, online unter <https://geschichte.univie.ac.at/de/erna-lesky>; (29.06.2021).
{iv} Vgl. ibid., 32f.
{v} Hyrtl, Vergangenheit und Gegenwart des Museums für menschliche Anatomie an der Universität Wien (Wien 1869), LX.
{vi}Vgl. Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien (Hg.), PHYSICUS. Biobibliografisches Portal der Vertreter und Vertreterinnen der Wiener Medizinischen Schule(n) (Wien 2011), online unter <https://physicus.meduniwien.ac.at/content/origaz.php?a_suche=true&liste=true&ID_seite=922&ID_ort=9a7a1a1&a_name=Michael+Mayer&a_gebd=&a_stbd=&a_record_limit=25 >; (29.06.2021) mit Hyrtl, Vergangenheit und Gegenwart, LXIV: „Der schlechte Groschen gilt aber dort, wo er geprägt wurde. 30 Jahre hat man [Anm.: Die Universität] solche Wirthschaft geduldet und belächelt. Als Caligula sein Leibross zum Bürgermeister Roms machte, war dieses nur die That eines verrückten Wüstlings; - solche Geschöpfe aber zu Universitätsprofessoren zu ernennen war ein Verbrechen an der Wissenschaft, am Staate und an der Menschheit. Friede seiner Asche. Er war der dickste, und, wenn er durfte, der gröbste Mann in Wien. Er starb 1830.“; Anm.: Auch in diesem Zitat wird wieder ersichtlich, wie ablehnend Hyrtl Mayer gegenüberstand. Das Todesjahr stimmt jedoch nicht, da, wie bereits geschrieben, Mayer erst im Mai 1831 verstarb.