1754 - 1757
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Die Professur für Anatomie an der Universität Wien war 1754 durch die Pensionierung von Emanuel Schellenberger vakant geworden. Der anatomische Unterricht ging jedoch weiter und wurde zunächst interimistisch von Franz Joseph Jaus geleitet. Der gebürtige Wiener Jaus, ab 1723 Magister der Chirurgie und ab 1755 Doktor der Medizin {i}, war erst einige Jahre zuvor, nämlich 1749, zum Professor für Chirurgie ernannt worden und als Leibchirurg Kaiserin Maria Theresias tätig. {ii} Wie Elisabeth Hermann schreibt, war Jaus „mehr praktischer Chirurg als Anatom“. {iii}
Dies wird auch in seinem Werdegang, nachgezeichnet von Wolfgang Baresel, ersichtlich. Am 13. April 1696 in Wien als Sohn eines kaiserlich-königlichen Leib- und Hofchirurgen geboren und von diesem auch in Chirurgie erstmals unterrichtet, studierte Jaus in Paris und England Chirurgie. Nach seiner Rückkehr nach Wien versuchte er zunächst, sich um das Amt des Hofchirurgen zu bewerben, welches durch den Tod seines Vaters frei geworden war. Jedoch musste der Chirurg vorerst die Prüfung zur Erlangung eines Magistergrades an der Universität Wien abschließen, um das ihm zugesprochene Amt übernehmen zu können. Er legte diese Prüfung am 8. April 1724 erfolgreich ab und wurde als Magister der Chirurgie bestätigt. 1730 wurde unter Franz Xaver Mannagetta das Amt eines chirurgischen Prosektors neu errichtet, welches Jaus sofort übernahm. 1749 erfolgte die Ernennung zum ordentlichen Professor für Chirurgie. Zusätzlich übernahm Franz Joseph Jaus in der Amstzeit von Emanuel Schellenberger auch Vorlesungen der Anatomie. Ab 1754 erhielt Jaus interimistisch die gerade frei gewordene Professur für Anatomie. Die Vorlesung hielt er jedoch nur im Wintersemester. In Folge ließ er sich immer häufiger von „seinem jungen Dozenten Lorenz Gasser“ vertreten {iv} und 1757 überließ er die Professur Johann Lorenz Gasser. 1761 trat Jaus auch von der Professur für Chirurgie zurück. {v}
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The chair of anatomy at the University of Vienna became vacant in 1754 due to the retirement of Emanuel Schellenberger. However, anatomical instruction continued and was initially led on an interim basis by Franz Joseph Jaus. Born in Vienna on April 13, 1696, Jaus was the son of an imperial and royal court surgeon, who first taught him surgery. Jaus became Magister of Surgery in 1723 and received his Doctor of Medicine degree in 1755. {i} In 1749, he was appointed Professor of Surgery and served as the personal surgeon to Empress Maria Theresa. {ii}
According to Elisabeth Hermann, Jaus was "more a practical surgeon than an anatomist." {iii} This is evident in his career, as outlined by Wolfgang Baresel. After studying surgery in Paris and England, Jaus returned to Vienna, initially attempting to apply for the position of court surgeon left vacant by his father´s death. However, he had to complete the examination for a Magister degree in surgery at the University of Vienna before assuming the position. He successfully passed the exam on April 8, 1724, and was confirmed as Magister of Surgery. In 1730, during Franz Xaver Mannagetta´s tenure, the position of a surgical dissector was newly established, and Jaus immediately took on this role. In 1749, he was appointed as a full professor of surgery. Additionally, during the term of Emanuel Schellenberger, Franz Joseph Jaus also delivered lectures on anatomy. In 1754, Jaus temporarily assumed the recently vacated chair of anatomy. However, he only taught the lecture during the winter semester, increasingly relying on "his young lecturer Lorenz Gasser" to represent him. {iv} In 1757, he handed over the professorship to Johann Lorenz Gasser, and in 1761, Jaus resigned from the chair of surgery. {v}
{i} Vgl. Hermann, Beiträge zur Geschichte des Lehrkörpers, 63f.
{ii} UAW, CA 1. 4. 174, 1:
„[…] Es haben allerhöchst ernant Ihro Kayl. Konigl. May. dero leib chyrurgum Franz Jauß in mildester Erwegung deren von Ihme höchst dero selben bereits von villen Jahren her leistenden gar emsig[e] und beflissenen diensten, besonderist aber seiner in arte chyrurgica besizenden grund. und trefflichen Erfahrenheit aus höchst eigener bewegnuß zum alhiesigen Professorem chyrurgiae unterm 2tn dieß zu ernehnen allergnädigst geruhet […].“
{iii} Vgl. Hermann, Geschichte des Lehrkörpers, 64.
{iv} Vgl. Elisabeth Hermann, Beiträge zur Geschichte des Lehrkörpers der Medizinischen Fakultät der Universität Wien im 18. Jahrhundert (Diss., Wien 1981), 64.
{v} Vgl. Wolfgang Baresel, Personalbiographien von Professoren der medizinischen Fakultät der Universität Wien im ungefähren Zeitraum von 1745-1790 und der Josephs-Akademie in Wien von 1780-1790 (gedruckte Diss., Erlangen 1971), 44f.